Die Welt des Schamanismus: Peru & Ayahuasca

Nach drei Wochen am anderen Ende der Welt hier nun mein umfassender Urlaubsbericht über eine Reise, die von Staunen, Heilung und Erfahrungen anderer Dimensionen geprägt ist. Achtung, dies ist ein wirklich langer Newsletter da mich viele um das Teilen meiner Erfahrungen gebeten hatten. Alle anderen können gern zum Alltag übergehen. Wer jedoch ein klein wenig in die Mystik einer anderen Dimenion eintauchen möchte, den lade ich von Herzen ein, es sich für fünf Minuten mit einem Cappuccino gemütlich zu machen.

Achtung es geht los:

Peru, ein Land der Gegensätze. Da ist das moderne Lima mit seinen Clubs und chicen Geschäften. Keine 50 Kilometer, die man sich auf den Weg Richtung Wüste macht, ändert sich das Bild drastisch. Verlassen scheinende Städte tauchen in karger, felsiger Landschaft auf. Die Häuser wirken unfertig bis völlig verlassen. „Ja,“ versichert der Busfahrer, „hier leben Menschen.“ Landnahme nennt man dies in Peru: Die arme Bevölkerung wird angeheuert, über Nacht ein paar Bretterbuden im Nichts zu errichten. Äußert keine staatliche Stelle Einwände, beginnt man, die Behausungen langsam zu befestigen, Mauern zu ziehen. Wurde die neu errichtete „Siedlung“ nach 5 Jahren nicht abgerissen, kann man das Land als das seine eintragen lassen. Das tut natürlich nicht die arme Bevölkerung, sondern diejenigen, die diese „Projekte“ von langer Hand planen. So sind die Sitten hier.

Szenenwechsel: Gute zwanzig Busstunden von Lima entfernt, bzw. vierzehn Stunden von Nazca, von wo aus wir unsere Reise nach unserem ersten Stopp fortsetzen, tauchen wir ein in das atemberaubende Grün der Anden. Den Atem raubt uns jedoch zunächst etwas völlig anderes: Die Diskussion, ob meine liebe Freundin Nina oder ich die unsinnige Idee hatte, die Entfernung wegen der Höhenkrankheit mit dem Bus zurückzulegen, haben wir nach einem geschätzten Verbrauch von fünfzehn netten weißen Plastiktütchen, in die wir unseren Magen entleeren durften, aufgegeben. Mit 90km/h durch die Anden zu rasen ist wahrlich kein Vergnügen und selbst Achterbahnfahren scheint entspannter. Wir sind erst seit 3 Tagen in Peru, haben schon ein Erdbeben hinter uns („Sag mal, hat sich dein Stuhl auch gerade bewegt?“,  „Oh ich dachte, der Hund sei mir hinten auf den Stuhl gesprungen.“ „Nanu, ich dachte, er wäre auf MEINEN Stuhl gesprungen, der hat gerade so gewackelt!“) und einen Rundflug über die spektakulären Naszca Linien, von denen keiner weiß, wer einen Wal, einen Affen oder einen Kolibri auf mehreren Quadratkilometern mitten in das Wüstengestein gezeichnet hat. (https://de.wikipedia.org/wiki/Nazca-Linien) Peru ist ein Land der Wunder und jeder, der versucht, dies mit dem Verstand zu ergreifen, muss unweigerlich scheitern. Ebenso wie jeder, der glaubt so ein Flug in einer kleinen Rappelmaschine quer durch die Steinwüste könnte ein Vergnügen sein. Es reicht gerade so für 3 Fotos bevor wir beide ausschließlich damit beschäftigt sind, unsere Übelkeit wegzuatmen um anschließend zur Belsutigung der Piloten für eine Stunde wie mausetot auf dem Fußboden des Flugplatzes zu liegen.

Wie wir die vierzehnstündige Busfahrt genau überlebt haben, wissen wir wohl beide nicht mehr, als uns Chachi, ein Schamane mit Cowboyhut am Fußbodens (schon wieder!) des Busterminals in Cusco aufliest. Später sagt er uns, dass wir trotz unserer bleichen Gesichter und zerzausten Haare, mit den K…Tüten in der Hand so kraftvoll aussahen, dass er uns sofort identifizieren konnte unter all den Touristen, die sich langsam aus dem Bus quälten. Nettes Kompliment, Schamanen sind halt höfliche Menschen. Wie wir an Chachi, den Schamenen geraten sind, ist einer der wundersamen Geschichten, die man hier erlebt, wenn man sich vornimmt, „das andere Peru“ kennenzulernen. Nina hatte den Kontakt vom Freund einer Freundin eines Freundes bekommen da sie selbst Ärztin ist und man wohl glaubte, dass der Austausch mit einem echten Schamanen hilfreich für ihre Arbeit sein könnte. So finden wir uns keine zwei Stunden später in einem kleinen Häuschen mitten in den Anden wieder. Mitten zwischen Cannabis Pflanzen und anderen Heilkräutern, die Chachi für Heilungszwecke anbaut. Niemand würde hier auf die Idee kommen, Mushrooms, Cannabis oder ähnliche Gewächse als Drogen zu bezeichnen. Schon seit Jahrtausenden benutzen Schamanen die Kraft der Pflanzen um in andere Bewusstseinszustände einzutauchen, um Krankheiten des Gegenübers auf die Schliche zu kommen, zu heilen oder andere wichtige Informationen zu bekommen. Pachamama, Mutter Erde, stellt sie schließlich zur Verfügung.

Auch wir sind gekommen um eine der berühmt-berüchtigten Ayahuasca Zeremonien mitzumachen. Selbstverständlich auf Empfehlung eines lieben Freundes ganz "ordentlich" in einer integrativen Klinik hier in Cusco gebucht. Doch dann kommt alles anders …

Überhaupt kommt alles in Peru immer anders. Als perfekt organisierte Deutsche haben wir unseren gesamten Trip im Voraus gebucht: Jedes Hostel auf dem Weg durch das heilige Tal der Inka, jede Busverbindung, naja und eben den fünftägigen Ayahausca Trip. Am Ende der zwei Wochen ist unser Mailaccount von Hotelstornierungen und Umbuchungen gefüllt. In den folgenden zehn Tagen geben wir uns stattdessen wie selbstverständlich komplett in Chachis Hände. Mit ihm erkunden wir das heilige Tal der Inka und Machu Picchu fern von den üblichen Aussagen der Guides und Reiseführer. Er erklärt uns, dass das geheimnisvolle Machu Picchu keineswegs, wie alle Guides täglich munter den Touristen aus aller Welt erklären, in den Berg hineingeschlagen wurde, sondern nach strengem Muster, nach Süden ausgerichtet, aufgeschichtet wurde. Keinesfalls durch extrem ausgeklügelte Maschinen, sondern durch Teleportationskräfte und andere Kräfte, deren Wirkweise wir bis heute nicht verstehen können. Machu Picchu ist eines von zwölf interdimensionalen Toren, ebenso wie die Nazca Linien eindeutig Landebahnen für Wesen aus anderen Dimensionen waren. Punkt. „Wer glaubt, wir wären in diesem gigantischen Universum allein, der hat ein wirklich beschränktes Denken.“ erklärt er uns kurz, während sein Papagei Paco seine Worte lauthals bestätigt. Genau DAS ist es, was Nina und ich in Peru gesucht haben. Spannende Geheimnisse, wie zum Beispiel die Tatsache, dass das Licht genau zur Sommersonnenwende in einem bestimmten Winkel auf die Felsen am Machu Picchu fällt und exakt zur Sekunde des Sonnenaufgangs ein kleines „V“ im Felsen mit seinem Schatten ausfüllt. Wir lernen Machu Picchu und all die anderen Inkastätten aus einer völlig anderen Perspektive kennen und fallen jeden Abend dankbar und mit kalten Nasen in unsere dicken Federbetten.

Hatten wir bis dahin eventuell noch die Vorstellung eines gemütlichen Sommerurlaubs inmitten der tristen deutschen Wintertage im Blick, sind wir jeden Abend, wenn wir mit Skiklamotten in unserem feucht-kalten Zimmer ins Bett fallen, froh über die uns ursprünglich unsinnig erschienene Packliste aus dem Internet. Abends sitzen wir mit Chachi am Feuer, lauschen seinen Gitarrenklängen zu wunderbaren Songs wie „Blessed we are“ oder seinen Geschichten der Inkas (unbedingt anhören: https://www.youtube.com/watch?v=YiDpIaXQDrI).

Für die Inkas gab es drei Welten: Die hiesige Welt, die wir als Illusion erleben und die in ihrer Kultur als Puma dargestellt ist, die Unterwelt, die als Schlange dargestellt wird und die Welt des Hohen Selbstes, die von einem Kondor, der größten Vogelart der Erde, dargestellt wird. Schnell erkenne ich darin das mir bekannte Lono, Ku und Kane, die mir aus dem Huna Schamanismus vertraut sind. Unterm Strich befindet sich hinter allem die gleiche Wahrheit. Wie könnte es anders sein. Lediglich die Termini unterscheiden sich immer wieder ein wenig.Peru heißt uns auf liebevolle Art willkommen. Als wir gerade eine der Inkastätten im heiligen Ort Ollantaytambo besichtigen, zeigt Chachi auf zwei Kondore, die über den Felsen kreisen. Ein Führer erklärt uns, dass diese nur einmal im Jahr hier auftauchen um nach dem Rechten zu schauen und den Spirit mit ihren weiten Schwingen zu verbreiten. Glückskinder. „Blessed we are…“

Ist man mit einem Schamanen unterwegs, zieht man automatisch andere Schamanen an. Chachi kennt sie alle, so scheint es. So haben wir immer wieder wundervolle Begegnungen hier mitten in den Anden. Ein liebevoll dreinblickender Hundertjähriger (so scheint es uns zumindest) bietet uns zahnlos an, mit ihm eine Handvoll Cocablätter zu kauen. Cocablätter – ja genau, die Blätter eben der Pflanze, aus der Kokain gewonnen wird – gehören hier zum Hauptnahrungsmittel. Man trinkt sie als Tee aufgegossen oder kaut sie gemeinsam als Zeichen der Gemütlichkeit. Irgendetwas tut man eigentlich den ganzen Tag damit. Es gehört zum Kulturerbe, wie es scheint. Er gibt uns eine aus Speckstein selbst hergestellte Pachamama-Figur (die Darstellung von Mutter Erde) als Andenken mit auf den Weg und verabschiedet sich ins nirgendwo. So ist das mit den Schamanen. So plötzlich, wie sie auftauchen, verschwinden sie auch wieder.

Kamen wir mit einem strikt durchgetakteten Reiseplan, haben wir diesen innerhalb weniger Stunden aufgegeben. So wundert es nicht, dass wir auch anders als geplant in unsere erste Ayahuasca-Zeremonie hineinschlittern. Chachi schlägt uns vor, ihn zu einer Zeremonie in seinem Tempel zu begleiten. Obwohl unser Fünf-Tages-Retreat noch vor uns liegt, scheint uns die Aussicht auf ein absolut authentisches Erleben mehr als reizvoll und wir willigen todesmutig ein. Hier seien ein paar erklärende Worte zu Ayahuasca eingefügt.

Ayahuasca bedeutet auf Quechua, der Sprache der Anden, so viel wie Ranke des Todes. Es handelt sich um eine Essenz, die aus einer bestimmten Lianenart gewonnen wird und in unserem Körper die Ausschüttung des körpereigenen Stoffes DMT bewirkt. Diese Substanz schütten wir sonst nur während unserer Geburt, unseres Todes oder bei wirklich gutem Sex (spirituell gesehen) aus. DMT ermöglicht unserem Gehirn, neuartige Gedankenstrukturen und Empfindungen zu kreieren und wird von unserer Zirbeldrüse, die leider bei den meisten zivilisierten Menschen kaum noch aktiv ist, produziert. Die Zirbeldrüse ist sozusagen auf Körperebene das Organ, das unserem siebten Chakra zugeordnet wird. Dem Chakra, das uns mit unserem hohen Selbst verbindet. Zusatzstoffe in unserer Zahnpasta und Nahrung, wie z.B. Flouride, bewirken, dass unsere ohnehin kaum noch aktive Zirbeldrüse restlos verkalkt. Ob gewollt oder ungewollt, lasse ich an dieser Stelle dahingestellt sein. Die Ranke des Todes bringt einen im übertragenen Sinne zum Sterben des Egos um spirituell neu zu erwachen.

In einer schamanischen Zeremonie wird ein Becher dieses wirklich scheußlich schmeckenden Lianengebräus in Dankbarkeit Pachamama, Mutter Erde, gegenüber getrunken und unter Gesängen des Schamanen setzt die Wirkung meist nach einer guten halben Stunde ein. Wer jetzt an einen herrlichen Drogenrausch denkt, hat weit gefehlt. Ayhahuasca wird in den Anden als Medizin betrachtet. Schamenen trinken diese oder andere Pflanzensubstanzen um Informationen zur Heilung eines anderen Menschen zu bekommen oder ihr eigenes System von negantiven Energien zu heilen.

Ayahuasca verbindet dich unweigerlich mit dir selbst. Zeigt die all deine Ängste und Blockaden auf, die dich daran hindern, dein ganzes Potential zu leben. Und manchmal … ja manchmal bringt es Informationen und Eindrücke aus einer anderen Dimension und wichtige Botschaften für den weiteren Weg. Wir verbinden uns mit unserem wahren Sein und tauchen ab in die Dimension, aus der wir alle eigentlich stammen. Gerade in Zeiten, in denen es spirituell gesehen für uns alle um den Aufstieg von der dritten in die fünfte Dimension geht, ein spannendes Hilfsmittel. Doch da es sich um eine Reinigungszeremonie handelt, ist es nahezu unvermeidbar, dass man sich zunächst die Seele aus dem Leib k…. Ja, schon wieder! Ich erwähnte bereits, dies hier war nicht als Erholungsurlaub gemeint und so sind wir in all der Zeit in Peru mehr mit Fasten (als Vorbereitung auf die einzelnen Zeremonien), dem Trinken von Heilwasser (ebenfalls als Vorbereitung) oder eben dem kompletten Entleeren des Darms aus allen Öffnungen des Körpers beschäftigt.

Meine erste sowie die folgenden Ayahasca-Erfahrungen zu beschreiben, ist schriftlich nahezu unmöglich. Soviel sei gesagt: Resümierend bleibt die fest integrierte Erfahrung „In der Mitte der Nacht beginnt der neue Tag.“ Immer wieder bewege ich mich zwischen dem Gefühl, tatsächlich sterben zu müssen und dem Gedanken „Wow, immer wenn du dachtest, der nächste Schritt sei unmöglich, so wurde er plötzlich doch möglich.“

Stell dir vor, du liegst auf deinen Kissen, schreiend, brechend, unfähig deine Beine oder Arme zu bewegen und du hast keine Ahnung, wie du jemals wieder aus diesem Tempel kommen, geschweige denn die Stufen zu deinem Haus hinaufkommen sollst. Und doch findest du dich keine Stunde später in einem Kombi mit dickem Riss in der Windschutzscheibe und rot blinkender Motorlampe wieder. Am Steuer des Wagens ein bekiffter Schamane, der lauthals „Father and Son“ singt und zwischendurch anhält um die Trümmer, die der Regen von den Felsen auf die Strasse gespült hat, aus dem Weg zu räumen. Das ist Peru. Lächelnd sagt er „Wenn du Ayahasca überlebt hast, überlebst du alles.“ Ja, genau so fühlt es sich an. Ich kann es kaum glauben. Nach 8 Stunden harter innerer Arbeit lebe ich noch. Und ich steige in der Dunkelheit die Stufen zu unserem Zimmer hinauf obwohl ich noch vor kurzem dachte, an Ort und Stelle sterben zu müssen. (Die Zeremonien beginnen immer am Abend und dauern die Nacht hindurch).

Ja, da war auch diese kurze Sequenz, in der ich komplett eintauchte in eine Art Film, der mich an „Avatar“ erinnerte. Ich hörte, die fremden Sprachen aus einer anderen Dimension, war selbst Teil dieser Welt, ein Wesen, das komplett mit Mutter Erde verbunden ist. In diesem Zustand fragt sich etwas in mir, ob es wohl nötig sei, hier in dieser Welt noch zu atmen. Völlige Hingabe, das völlige Gefühl von Vertrauen, das mich ganz sicher auf meinem weiteren Weg begleiten wird. Diese Frage , ob ich wirklich noch atmen müsse - ich spürte mich schon längst nicht mehr als Körper - war plötzlich immer wieder in meinem Geist. Mein Gefühl saget mir, dass es nicht nötig wäre und ich spürte immer wieder, wie ich versuche, das Atmen einfach sein zu lassen. Gott sei Dank nicht vollständig.

Ob es das wert war? Ich weiß es nicht. Man sagt, man verliert den Bezug zu Ayahuasca nie, es bleibt für immer im System und die Botschaften offenbaren sich oft erst Wochen und Monate später. Wir werden sehen. In jedem Fall ist da plötzlich noch einmal viel mehr diese tief integrierte Erkenntnis, dass ich wirklich ALLES schaffen kann. Immer ein Schritt nach dem anderen. Irgendwie habe ich das Gefühl, mir wurde noch einmal die Geschichte des Strassenfegers des Champs Elysée vorgeführt: Immer ein Schritt nach dem anderen nehmen. Der genau nächste Schritt ist immer möglich. Diese simple wie wichtige Erkenntnis kann man vermutlich nur nachvollziehen, wenn man sich einmal im gesamten Prozess einer Ayahuasca Zeremonie befunden hat. Unmögliches für möglich halten, Grenzen sprengen, sich jenseits der üblichen Wahrnehmung bewegen. Es ist das Eine, wenn der Kopf weiß, dass es sie gibt, diese andere Welt. Es ist etwas völlig Anderes, wahrhaftig darin einzutauchen.

Gut, ich gebe zu, diese Erfahrung hätte als abgeschlossen betrachtet werden können. Doch schließlich hatten wir ja noch das Fünf-Tage-Retreat gebucht. Also wieder fasten, Heilwasser trinken, Rucksack packen und Schlafplatz wechseln, hinüber in das wunderschöne Idyll der integrativen Inkaklinik. Ein wenig mulmig ist mir schon, das ganze Prozedere noch drei weitere Male zu durchstehen. Nina hat sich zu diesem Zeitpunkt ohnehin bereits dagegen entschieden, zieht aber dennoch mit mir um, um zumindest an Yoga und Meditationen teilzunehmen. Ich mache es kurz: Die Ayahuasca Zeremonie, die ich im „Etnikas“ erlebe, ist der blanke Horrortrip. Hatte mir mein Herz bereits am Vormittag klar übermittelt, dass dies nicht mein Weg sei, war mein Ego stark genug mir ins Ohr zu flüstern, es doch wenigstens noch ein einziges Mal zu versuchen. Der Schamane, der die Zeremonie leitet, verspricht mir, ganz besonderes auf mich zu achten und mich mit den „Ikarus“ genannten Gesängen hinüber in die andere Welt zu geleiten. Es wird zu einer intensiven Lektion werden, was geschieht, wenn man nicht auf sein Herz hört. Bereits in Deutschland hatte mir ein peruanischer Schamane, den ich „zufällig“ traf, gesagt „Du brauchst kein Ayahasca, du hast es bereits in dir. Und wenn du es wirklich machen möchtest, dann mache es nur EINMAL!“ Nun ja, das Ego. Innerhalb weniger Minuten schießt mich Ayahausca dieses Mal in die Unterwelt. Ich sehe dunkle Gestalten, es gelingt mir nicht, meinen Fokus auf meiner Atmung, auf dem Licht zu halten. Natürlich weiß noch immer wein Teil in mir, dass dies zum Reinigungsprozess gehört. Doch wenn man einmal tief drin steckt, hilft auch dieses Wissen nichts mehr. Ich höre mich aus voller Kehle schreien. Wie ein Monster. Und habe es nicht mehr unter Kontrolle. Ich schlage um mich (das ist ziemlich normal unter Ayahasca da man instinktiv versucht, die negativen Energien aus seinem System zu „wischen“). Ich rufe verzweifelt nach dem Schamanen, der die Zeremonie leitet, doch auch er schafft es nicht, mich aus meinem dunklen Film zu befreien. Man kann es kaum beschreiben. Man hat seinen eigenen Körper nicht mehr unter Kontrolle, nimmt aber auf irgendeiner Ebene dennoch wahr, was vor sich geht. Ich breche, breche, und breche …. Mein einziger Gedanke ist „Dani, atme!“ Stunden später werde ich langsam wieder Herr meiner Sinne. Ich nehme war, dass ich nicht mehr im Zeremonientempel sondern auf der Liege im Arztzimmer liege. Auch habe ich andere Sachen an, ohne zu wissen, wie es dazu kam. Ich fühle mich noch immer elendig, kann mich nicht bewegen, nicht trinken, kaum atmen. Ich spüre, dass ich immer wieder kurz vorm Kreislaufkollaps stehe, habe Angst. Ich weiß, dass ich viel zu viel Flüssigkeit verloren habe und schaffe es dennoch nicht, das Wasser, das ich versuche, in kleinen Schlucken und unter Zusammennehmen all meiner Geisteskräfte zu mir zu nehmen, im Körper zu behalten. Es läuft wir einfach wieder aus dem Mund. Ich habe Angst, diesen Zustand nie wieder zu verlieren. Habe Angst, einfach nur Angst. Ich rufe verzweifelt nach Nina. Sie ist Ärztin und sollte mir – wie auch immer – helfen können. Es ist ein reiner Verzweiflungsruf da ich der lieben Schwester an meiner Seite nicht mehr traue, die mir pausenlos zuflüstert „Relax Daniela, lay down.“ Immerhin schaffe ich es, sie dazu zu bewegen, Nina zu mir zu bringen. Sie wollte das Etnikas heute schon früher verlassen um mit Chachi eine weitere Lektion in Kräuterkunde zu nehmen. Ich habe Angst, dass sie geht ohne mich vorher gerettet zu haben. Ich brauche dringend jemanden, der mir fachkundig sagt, dass ich noch lebe und mein Puls nicht so schlimm ist, wie ich vermute. Als sie zur Tür hereinkommt und mich in den Arm nimmt, bin ich einfach nur erleichtert. Eine vertraute Geste, ein Mensch, dem ich vertraue. Sie flüstert mir zu, dass der Arzt ihr erklärt hätte, dass man mir Valium gegeben hätte damit ich mich nicht selbst verletzen würde. Eine Injektion? Selbst davon hatte ich rein gar nichts gemerkt. Sie bringt mich auf mein Zimmer und flüstert mir noch zu, ich möge unbedingt anrufen, wenn ich Hilfe bräuchte, bevor sie das Zentrum wenige Stunden später verlässt. Eigentlich hatte man uns sogar unsere Telefone am ersten Tag abnehmen wollen, doch das hatten wir beide verhindert. Auch der folgende Tag liegt jenseits meiner Geisteskräfte. Langsam nehme ich meinen Körper überhaupt erst wieder wahr, doch bleibt eine so starke Unruhe, die mich dazu bringt, im Sekundentakt aufzuspringen, hin und her zu laufen, mich wieder hinzusetzen um kurz darauf wieder aufzuspringen … Ich fühle mich wie ein Verrückter in einer Anstalt, der den ganzen Tag auf und abläuft und habe höllische Angst, diesen Zustand nie wieder zu verlieren. Kurz gesagt: Es ist und bleibt ein Höllentrip. Es ist die dritte Nacht, in der ich nicht schlafe. Ich bin kein Mensch mehr. Plötzlich steht Nina in der Tür „Chachi hat gesagt, ich soll dich hier sofort rausholen. Im Tempel sind alle ganz furchtbar aufgeregt und wütend, das man dir Valium gegeben hat. Sie wollen in einer Zeremonie schauen, dass sie das aus deinem System rauskriegen. DMT und Valium, das geht gar nicht!“ Keine zwei Stunden später falle ich Chachi weinend in die Arme. Es ist vorbei. Ich lebe.

Soviel zu meiner ganz persönlichen Ayahuasca Erfahrung. Vielleicht nicht jedermanns Sache, doch bin ich selbst ja immer neugierig genug, alles auszuprobieren, was in meinen Ohren spannend klingt. Schließlich brauche ich ja auch immer wieder Stoff um meine Bücher zu schreiben. Und da ich häufig Wege vorausgehe, um mit anderen meine Erfahrungen zu teilen, möchte ich mit folgendem Resümee schließen:

Peru ist unbedingt eine Reise wert. Es ist ein Land der Gegensätzlichkeiten, in dem Zeit keine Rolle spielt. Ein Land, in dem ich mich in keiner Sekunde unsicher gefühlt habe, obwohl mich viele Menschen davor warnten, als Frau allein nach Südamerika zu reisen. Ein Land voller Farbe und schüchterner Herzlichkeit. Aus spiritueller Sicht ist es ein Land der grenzenlosen Möglichkeiten. Vielleicht kommen wir nirgends unseren Ahnen näher als hier. Das Wissen der alten Inka Kulturen ist das Wissen, das wir uns allerorts gerade wieder neu erschließen. Es ist hier in jeder Ecke, in jedem Windzug gespeichert. Die Energie der Anden ist einzigartig und vermutlich ist es auch daher hier so einfach, sich auf sich selbst und sein eigenes Wachstum einzulassen. Das Gesamtenergiegefüge unterstützt dies auf einmalige Art und Weise. Aus heilerischer Sicht würde ich sogar jedem empfehlen, sofort sämtliche Ausgaben für eventuelle Krankenzusatzversicherungen in eine Urlaubskasse umzuwandeln und bei Bedarf, wenn der Körper wirklich einmal Energieengpässe über Krankheitssymptome äußern sollte, das gesparte Geld in einen Flug nach Peru zu einem der hiesigen Heiler zu investieren. Erst letzte Woche durften wir einen Freund von Chachi kennenlernen, der noch vor 8 Monaten „Knochenkrebs“ hatte und nun wundervolle Kirtangesänge anleitete.

Ob ich dir empfehlen würde, Ayahuasca zu machen? Nun, Ayahuasca ist nur eine von vielen verschiedenen Medizinen bzw. Heilmethoden der Andenvölker. Auch ich werde mich sicher noch einmal auf die eine oder andere Erfahrung diesbezüglich einlassen. Ich empfehle dir diese Form der Medizin ausschließlich, wenn du dich nicht in einer rosaroten Erwartungshaltung auf den Weg machst. Es geht beim Ayahuasca nicht um einen tollen Trip oder gar legalen Drogenkonsum. Es geht um intensive innere Arbeit, welche die Bereitschaft und den Willen voraussetzt, wirklich Veränderung in Bereichen deines Lebens anzustreben. Es geht um die Bereitschaft, deinen innersten Ängsten und weit verdrängten Erfahrungen ins Gesicht zu schauen. DANN, und nur dann, ist es ganz sicher ein unglaublich bereichernder Ausflug zu dir selbst.

Da meiner Erfahrung nach wenige Menschen den Mut haben, sich auf solch eine lange unvorhersehbare Reise zu machen – und eine Buchung in einem Luxusresort in Peru ist sicher nicht vergleichbar – haben wir drei, Nina, Chachi und ich beschlossen, im Sommer 2019 eine geführte Reise anzubieten, in der wir das Wissen aus unseren 3 Teilbereichen der Energetik in einer geführten „Coaching- und Erlebnisreise“ zusammenbringen. Zwei Wochen Selbsterfahrungsprozesse, verbunden mit schamanischen Zeremonien, Yoga und Meditationen und natürlich ganz viel Landeserkundung sollten ein phantastischer Rahmen sein, dich in Urlaubsatmosphäre auf eine Reise zu dir selbst zu begeben.

Alle, dich sich für unsere Erfahrungen oder aber auch für die Möglichkeit einer gemeinsamen Reise interessieren, sind herzlich eingeladen, am 28.März um 18 Uhr in die Räumlichkeiten der Praxis Dr. Nina Roy (Arnheimer Str. 118 in Düsseldorf) zu kommen. Wir werden dort gemeinsam einen Abend zum Thema „Reise in eine andere Dimension – Über die Heilungsmethoden der Schamanen“ anbieten.   Anmeldelink zur Veranstaltung auf Facebook: https://www.facebook.com/events/337747450044859/

Lass mich meine Gedanken mit einer wunderschönen Geschichte beenden, die uns Chachi an einem Morgen hoch über den Dächern von Pisaq erzählte: „Es landete einst ein wunderschöner Schmetterling auf meinem Finger, der ein Loch in seinem farbenprächtigen Flügel hatte.“ Du wartest auf den Ausgang der Geschichte? Das IST die Geschichte. Wir erwarten so häufig, dass die Dinge perfekt sein mögen. Dass die Menschen um uns herum, dass WIR perfekt sein mögen. Das sind wir selten. Ganz im Gegenteil, es hält uns genau das Bestreben, noch perfekter zu sein davon ab, das zu sein, was wir bereits sind. Wir SIND wunderschöne Schmetterlinge. Ein jeder einzigartig in seinem Sein.

Ich wünsche euch allen, uns allen, dass wir diesem einzigartigen, wahren Sein jeden Tag ein Stückchen näher kommen.

Von Herzen Daniela

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