„Lerne, die Zeichen zu lesen.“

„Lerne, die Zeichen zu lesen.“ (Paolo Coelho in „Der Alchimist“) Ein wenig skurill scheint es schon, dass ich so plötzlich, nachdem ich in diesem Jahr bereits auf Bali war, wo ich mein zweites Buch geschrieben habe, und kurze Zeit später noch einmal in England, wo plötzlich mir-nichts-dir-nichts die Idee für ein Kinderbuch vom Himmel fiel, nun im Flieger nach Los Angeles sitze. Für vier Tage bleibe ich in der Stadt der Engel um mit einem lieben Freund, der kreativ begnadet ist, an den Zeichnungen für mein fertiges Kinderbuchmanuskript zu arbeiten und dann zu einem Huna-Intensiv-Seminar nach Hawaii weiterzufliegen. Das Leben meint es gut mit mir und so darf ich sogar ausgerechnet über Thanksgiving hier in den Staaten sein, für welches mein lieber vegetarischer Freund Matt extra traditionell einen Truthahn besorgt hat. Meine Freude ist grenzenlos, auch wenn sich ein leichter Unglaube hält, dass mein Traum, Huna einmal urtümlich dort zu erleben, wo es seine Wurzeln hat, nun tatsächlich wahr werden soll. Unterrichtet zu werden von DEM Kahuna, Serge Kahili King, scheint unvorstellbar. Noch dazu so unverhofft, denn dies war keine lang geplante Reise. Sie fiel mir sozusagen vor die Füße und mein lieber wohlwollender Exmann war wie so oft nur allzu gern bereit, mir die Reisezeit zu ermöglichen.

Aus dem Alltag falle ich also direkt in den Flieger und denke immerhin noch rechtzeitig daran, mir auf dem Weg dorthin wie üblich per kraftvollem Huna Gebet den „bestmöglichen“ Platz zu reservieren. Intuitiv scheint etwas in mir zu ahnen, dass es bessere Lösungen als den üblichen Platz am Notausgang geben könnte. Am Check in angekommen, flüstert mir dann doch mein Verstand leise ins Ohr, dass ich besser nachhelfen sollte um meine Wünsche Realität werden zu lassen. Enttäuscht vernehme ich, dass es keinen Platz am Notausgang mit extra viel Beinfreiheit mehr gibt. Merkwürdig …

 

Gut, ich gebe zu, hin und wieder gucken die Leute etwas rätselnd, wenn ich noch kurz vorm Gate beginne, einige Mana Aufladungen zu machen oder meine rote Aura Soma Blase zum Schutz vor Fremdenergien um mich zu hüllen. Ich habe mich daran gewöhnt. So stolpere ich hochenergetisiert auf meinen Fensterplatz zu. Ich hasse Fensterplätze. Der freundliche Chinese auf dem Gangplatz lächelt mich schüchtern an als er mich beobachtet, wie ich auf den leeren Sitz zwischen uns eine Dagaz-Rune male, um diesen unsichtbar werden zu lassen. Nachdem ich auf dem Flug nach Zürich neben einer freundlichen, gut übergewichtigen Dame gesessen hatte, der ich fraglos die Hälfte meines Sitzes überließ, darf nun der Platz neben mir für die nächsten 12 Stunden gern leer bleiben. Ich schmunzle dick in mich hinein als ich aus dem Lautsprecher das „Boarding completed“ höre. Kleine Hexereien am Morgen sind meine Lieblingsübungen. Plötzlich steht der leicht verstörte Chinese noch immer lächelnd auf um sich einen anderen Platz zu suchen. Mein Schmunzeln breitet sich zu einem dicken Lachen aus. „Achte gut darauf, was du dir wünschst, du könntest es bekommen.“ Während die Passagiere am Notausgang zwar mit Beinfreiheit doch dicht nebeneinandersitzen, erobere ich mein Reich für die nächsten elfeinhalb Stunden: Drei Sitze, die ich mit den drei Decken und drei Kissen gemütlichst zum Bett umfunktionieren kann. Wie gut, dass mein hohes Selbst immer schlauer als mein mittleres ist!

 

„Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen.“, hat meine Omi schon immer gesagt. Also lese ich brav noch einmal mein Manuskript um es mit Vermerken zu möglichen Zeichnungen zu versehen. Wie immer, wenn ich etwas geschrieben habe, kann ich mir im Nachgang kaum noch vorstellen, dass wirklich ICH diese Zeilen verfasst haben soll. Mit großer Freude stelle ich fest, dass es wirklich gut gelungen ist, dieses spontane Kinderbuch, das ich bereits als ich aus England zurückkam beinahe komplett fertiggestellt hatte.

Meine Gedanken schweifen ab und plötzlich ist da dieser Gedanke, dass ich doch irgendwie mal ein Buch über die kleinen und großen Alltagshexereien schreiben sollte. Kurzgeschichten über die Wirksamkeit der „Werkzeuge der zweiten Ebene“ um diese immer wieder ein Stückchen mehr in die Erinnerung der Menschen zu bringen. Erst am Vortag hatte ich aufgrund von Zeitmangel mit dem Pendel kurzerhand herausgefunden, ob ich mit meinem jüngsten Sohn, der plötzlich über Schmerzen in der Wange klagte, wegen Mumps oder ähnlichem zum Kinderarzt oder zum Zahnarzt gehen sollte. Das Pendel und mein kinesiologisches Nachtesten ergaben: Zahnarzt, untere Reihe, 6er Zahn. Der Zahnarztbesuch ergab: Untere Reihe, der 6er Zahn stößt durch, was einen natürlichen Schmerz verursacht. Hach, wir könnten uns das Leben so vereinfachen! Mit diesem Seufzer kommt mir erneut ein Buchtitel in den Sinn

 

 „Alltagsmagie

Kleine Hexereien für Angefangene & Fortgeschrittene

 

Nee, alles klar. Zwei Bücher innerhalb 8 Monaten sollten erst einmal genügen! Mit Disziplin mache ich mich wieder daran, mein eigenes Manuskript zu lesen. Ich bleibe an der Stelle hängen, in welcher der große Zauberer Emerald Green die Libellen als getarnte Engel in seine Traumblase schickt. Erneut der Gedanke an ein Buch über Alltagsmagie … Ich schaue auf und traue meinen Augen kaum. Auf dem Bildschirm vor mir ziehen Bilder eines Naturfilms an mir vorbei, in dem ein Forscher sehr offensichtlich das Leben und die Artenvielfalt von einzigartigen kleinen Wesen erklärt:  Libellen! Zehn Minuten lang fliegen die kleinen Engel da mitten in 10 km Höhe vor meinen Augen entlang und mir läuft die übliche Gänsehaut den Rücken auf und ab. Sollte ich wirklich, ich meine so wirklich echt und ehrlich … Och nee! Schon wieder so viel schreiben? Im Ernst?

 

„Lerne, die Zeichen zu lesen.“ Kennst du das Buch „Der Alchimist“? Wir sind umgeben von Zeichen und Hinweisen und doch ziehen sie meist ungesehen an uns vorbei. Zu beschäftigt sind wir mit unserem Alltag. Und doch sind sie immer da, hier direkt vor unseren Füßen. Sie helfen uns die besten Sitze im Flieger zu bekommen, Thansgiving mit Freunden zu feiern, Bücher zu schreiben oder Kahunas kennenzulernen. Sei denn … Nun, sei denn, wir haben gerade mal wieder Wichtigeres zu tun, als sie zu lesen. Doch verpassen wir ein ganzes großes Mysterium dadurch: das LEBEN!

 

Apropos Mysterium Leben: Ich fliege wirklich häufig, doch noch nie bin ich bei Tag über den Nordpol geflogen! In diesem bewegenden Moment weiß ich bei einem demütigen Blick aus dem Fenster, dass ich verdammt richtigliege, mit meiner Beschreibung der schönsten aller Traumblasen des Emerald Green in meinem Kinderbuch!

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